Weltenbauer

Der Mensch erschafft keine Welt aus dem Nichts. Er findet eine Welt vor, als biologisches Wesen, eingebettet in Natur, Evolution und bereits bestehende Wirklichkeiten. Aber er belässt diese Welt nicht so, wie er sie vorfindet. Er baut sie um, erweitert sie, überlagert sie mit Bedeutungen, Regeln, Bildern, Technologien und künstlichen Umgebungen. In diesem Verständnis verändert der Mensch verändert nur Dinge innerhalb einer bestehenden Welt. Er erzeugt neue Deutungs-, Handlungs- und Lebensräume.

Mit der freien Hand kann der Mensch immer neue Werkzeuge ergreifen. Mit Sprache kann er Erfahrungen weitergeben. Mit seiner Lernfähigkeit kann er Wissen über Generationen hinweg aufbauen. Und mit Technologie erweitert er seine körperlichen und geistigen Möglichkeiten weit über seine biologische Ausstattung hinaus. Dadurch baut er nicht nur Häuser, Straßen und Städte. Er baut vor allem soziale Ordnungen, politische Systeme, wirtschaftliche Wirklichkeiten, Sprachen und Bedeutungsräume, Religionen und Weltbilder, wissenschaftliche Modelle, digitale Räume, virtuelle Identitäten und künstliche Intelligenzen.

Der Mensch lebt nicht in nur einer Welt. Er lebt gleichzeitig mehreren Welten. In einer biologischen Welt, körperlich wahrgenommenen Welt, psychischen Innenwelt, sozialen Welt, sprachlich erzeugten Welt, politischen Wirklichkeit, medial vermittelten Welt sowie einer digitalen Umgebung. Diese Welten überlagern sich, widersprechen sich und beeinflussen einander.

Doch jede gebaute Ordnung erzeugt neue Unsicherheiten. Die Stadt schützt vor Naturgefahren, erzeugt aber neue soziale Konflikte. Technologie erweitert menschliche Fähigkeiten, schafft aber neue Abhängigkeiten. Digitale Vernetzung überwindet räumliche Distanz, erzeugt aber neue Formen von Kontrolle und Überforderung. Der Weltenbau endet deshalb nie.