Die Schöpfungskraft eines weltverändernden Wesens
Der schöpferische Mensch befindet sich im produktiven Ungleichgewicht. Er denkt, erfindet und gestaltet, weil er nie vollständig fertig, sicher oder mit sich selbst identisch ist. Der Mensch erschafft nicht aus dem Nichts, sondern verbindet, verändert, erweitert und überformt bereits Vorhandenes. Seine Hervorbringungen folgen keinem einheitlichen Gesamtplan. Und ihre Folgen entziehen sich regelmäßig seiner Kontrolle.
Die menschliche Schöpfungskraft beruht dabei auf körperlicher Offenheit, freier Hand, Lernfähigkeit, technischer Erweiterbarkeit, kultureller Weitergabe sowie psychischer Unabgeschlossenheit. Der Mensch bringt Werkzeuge, Sprachen, Institutionen, Städte, Maschinen, virtuelle Räume und zunehmend auch künstliche Akteure hervor. Dabei erzeugt er nicht nur neue Gegenstände, sondern neue Möglichkeiten des Wahrnehmens, Denkens und Handelns.
Der Mensch gestaltet jedoch nicht nur gezielt. Er erzeugt unbeabsichtigte Folgen, stößt Prozesse an und verändert Systeme, die anschließend eine eigene Dynamik entwickeln. Dies sind emergente Folgen unzähliger miteinander verbundener Handlungen des dividuellen Menschen, also vieler Menschen.
Homo Dividuum beschreibt die dividuelle Hervorbringungskraft des Menschen: die Fähigkeit, im Zusammenspiel von Körper, Psyche, Gesellschaft und Technologie neue Wirklichkeiten entstehen zu lassen. Der Mensch ist dabei kein Schöpfer außerhalb der Welt. Er ist ein Teil der Welt, der gelernt hat, die Bedingungen seines eigenen Daseins zu verändern.