Aus einem unruhigen Geist entspringt ein Gestaltungswille.

Neben unserer anatomischen Offenheit spielte aber noch eine andere Besonderheit bei unserer evolutionären Erfolgsgeschichte eine wichtige Rolle: unsere instabile Psyche. Denn der Mensch gestaltet die Welt nicht nur, weil er vernünftig ist, sondern weil er mit sich selbst nie vollständig zur Ruhe kommt.

Die menschliche Psyche ist nicht instabil im Sinne eines Defekts. Sie befindet sich in einem dauerhaften Zustand innerer Unabgeschlossenheit. Der Mensch besitzt keine dauerhaft geschlossene innere Ordnung. Bedürfnisse, Erinnerungen, Ängste, Triebe, Überzeugungen und Zukunftsentwürfe widersprechen sich. Er vergisst, verdrängt, zweifelt, begehrt Neues und fürchtet zugleich den Verlust des Erreichten.

Aus diesem Verständnis heraus kann das "Homo Dividuum" als der in sich und über seine Umwelt verteilte Mensch betrachtet werden. Sein Denken entsteht zwischen Bewusstsein, Körper, Mitmenschen, Kultur und Technologie. Gerade weil er nicht vollkommen mit sich identisch ist, bleibt er offen für Veränderung und fähig zur Gestaltung.

Auf diese Weise macht der Mensch aus der psychischen Instabilität eine produktive Instabilität. Der Mensch besitzt eine freie Hand und einen unruhigen Geist: Er kann immer wieder neue Werkzeuge ergreifen, weil er innerlich nie endgültig angekommen ist. Daraus erwachsen sein unermesslicher Gestaltungswille und sein nie endender Schöpfungsgeist.