Kränkung des humanistischen Menschenbildes

Der Menschenbild das Tier

Homo Dividuum "downgradet" den Menschen ontologisch und "upgradet" gleichzeitig seine Verantwortung in Bezug auf seine besondere Schöpfungskraft und Wirk-mächtigkeit. Homo Dividuum holt den Menschen im ersten Schritt zurück zum Tier und damit auf den Boden der Evolution zurück. Von dort aus versucht es neu zu verstehen, was Menschsein eigentlich bedeutet.

Homo Dividuum ist weder Transhumanismus noch Posthumanismus, sondern Para-humanismus. Während die Vorsilbe Trans- auf eine Überschreitung und Post- auf ein Danach hinweisen, verlässt Para- die vertikale Fortschrittsachse. Homo Dividuum will den Menschen weder technisch überwinden noch philosophisch abschaffen, sondern neu verorten. Bei Homo Dividuum betrachten wir den Menschen als biologisches Tier, psychisches Selbst, soziales Dividuum und technologischen Weltenbauer inner-halb einer fortlaufenden sich verzweigenden Evolution.

Der Mensch ist nicht die Krone der Evolution, sondern der erste Teil der Evolution, der begonnen hat, selbst an ihr mitzuschreiben. Damit steht der Mensch bei Homo Dividuum nicht mehr oben auf der Leiter, sondern mitten im Evolutionsgeschehen. Und genau diese seitliche Verschiebung drückt para- aus. Das gleichzeitige Down- und Upgrading ist die spezifische Bedeutung, die Parahumanismus ausdrückt.

Das Downgrading besagt: Der Mensch ist kein von der Natur abgetrenntes Vernunftwesen und keine Krone der Schöpfung, sondern ein biologisches Tier mit Trieben, psychischen Schwachstellen, Gruppenverhalten, Machtstreben und evolutionärem Gepäck. Das Upgrading betont: Dieses Tier namens Mensch besitzt Sprache, Meme, kollektive Intelligenz und Technologie und entwickelt dadurch eine evolutionär neuartige Schöpfungs- und Wirkmächtigkeit. Es kann seine Umwelt, sich selbst und möglicherweise irgendwann sogar neue evolutionäre Träger erschaffen.

Parahumanismus setzt den Menschen vom Sockel - und entdeckt gerade dadurch seine ungeheure Wirkmächtigkeit. Der Mensch bekommt einen neuen Platz: zwischen seiner animalischen Herkunft, seiner dividuellen Gegenwart und seiner möglichen Rolle als Mitgestalter weiterer Evolution. Der Mensch ist zwar nicht das einzige Tier, das seine Grenzen erweitert – aber möglicherweise das erste Tier, das seine eigene Begrenztheit erkannt und daraus ein Evolutionsprogramm gemacht hat.