| Daten |
In Homo Dividuum sind Daten formal erfasste Unterschiede, Messwerte und Spuren von Ereignissen. Sie bilden die Welt nicht neutral oder vollständig ab, sondern entstehen durch Auswahl, Sensoren und Kategorien und erhalten erst durch Interpretation eine Bedeutung als Information. |
| Datensalat |
Datensalat bezeichnet eine ungeordnete oder fehlerhaft verbundene Menge von Daten, aus der keine verlässliche Information entsteht. In Homo Dividuum ist er das technische Gegenstück zum menschlichen Kauderwelsch: Einzelne Elemente sind erkennbar, ergeben in ihrer Verbindung jedoch keinen kohärenten Sinn. |
| Deep Work |
Deep Work beschreibt die selbstbestimmte Umprogrammierung des eigenen Erlebens. In Homo Dividuum bezeichnet Deep Work die bewusste Arbeit von SoloS an seinen inneren Memen, Rückkopplungsschleifen und Wirklichkeitskonstruktionen. |
| Deepfake |
Ein mithilfe Künstlicher Intelligenz erzeugter oder veränderter Bild-, Ton- oder Videoinhalt, der reale Personen oder Ereignisse überzeugend nachahmt. Deepfakes lösen die sichtbare Darstellung zunehmend von dem dargestellten Geschehen und erschweren damit die Unterscheidung zwischen Dokumentation und Simulation. |
| Delle im Universum |
Homo Dividuum betrachtet den Menschen als formgebende Kraft und beschreibt eine wirkmächtige Menschheit. Diese kann die Welt nicht gestalten, ohne sie zu verändern. Und jede tiefgreifende Veränderung erzeugt Verluste, Nebenwirkungen und irreversible Folgen. Die menschliche Schöpfungskraft ist nicht folgenlos. Wer gestaltet, verändert. Wer verändert, zerstört auch Möglichkeiten. Gerade deshalb entsteht aus Schöpfung Verantwortung. |
| Demokratie |
Eine politische Ordnung, in der Herrschaft durch gesellschaftliche Rückkopplung legitimiert und begrenzt wird. Sie lebt davon, dass unterschiedliche Perspektiven sichtbar, streitbar und wirksam bleiben. |
| Denken |
Der psychische Prozess, durch den Informationen unterschieden, miteinander verknüpft, geprüft und zu Vorstellungen oder Entscheidungen geformt werden. Denken bewegt sich zwischen bewusster Analyse, unbewusster Verarbeitung und sozial übernommenen Deutungsmustern. |
| Deutung |
Deutung ist die Zuordnung von Bedeutung zu einer Wahrnehmung, Information oder Erfahrung. In Homo Dividuum verbindet sie ein Ereignis mit dem vorhandenen Weltmodell und macht aus bloßen Daten eine persönlich oder gesellschaftlich verständliche Wirklichkeit. |
| Deutungshoheit |
Deutungshoheit bezeichnet die gesellschaftliche Macht, eine bestimmte Interpretation von Ereignissen als maßgeblich oder selbstverständlich durchzusetzen. In Homo Dividuum entsteht sie nicht nur durch staatliche Autorität, sondern auch durch Medien, Plattformen, Wissenschaft, kulturelle Narrative und die memetische Reichweite einzelner Akteure. |
| Dezentralisierung |
Dezentralisierung verteilt Entscheidungen, Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten auf mehrere weitgehend eigenständige Knotenpunkte. In Homo Dividuum erhöht sie Vielfalt, Anpassungsfähigkeit und lokale Selbstbestimmung, verlangt jedoch leistungsfähige Verbindungen und gemeinsame Standards, um reibungslose Informationsflüsse zwischen den Knotenpunkten zu gewährleisten. |
| Digital |
In Homo Dividuum wird die Welt digital, indem Ereignisse in Daten übersetzt, miteinander verknüpft und anschließend als Informationen, Vorhersagen oder Entscheidungen in die Wirklichkeit zurückgeführt werden. |
| Digitale Gesellschaft |
Eine digitale Gesellschaft organisiert Wahrnehmung, Kommunikation, Wirtschaft und Verwaltung zunehmend mithilfe von Daten und Informationstechnologie. In Homo Dividuum wird Gesellschaft dadurch nicht nur technisch effizienter, sondern auch umfassender vermessen, verknüpft und weitreichender steuerbar. |
| Digitale Öffentlichkeit |
In Homo Dividuum bezeichnet die digitale Öffentlichkeit den durch Plattformen und Netzwerke erzeugten Raum gesellschaftlicher Sichtbarkeit. In ihm konkurrieren Menschen, Institutionen, Meme und Algorithmen um Aufmerksamkeit, während technische Regeln (Algorithmen) mitbestimmen, welche Stimmen verstärkt, verborgen oder ausgeschlossen werden. |
| Digitale Revolution |
Die grundlegende Umgestaltung von Wirklichkeit durch ihre Übersetzung in Daten, ihre globale Vernetzung und ihre algorithmische Verarbeitung. Während die Industrielle Revolution körperliche Arbeit in Maschinen verlagerte, überträgt die Digitale Revolution zunehmend Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Entscheidungsprozesse auf technische Systeme. Sie führt von der Industriegesellschaft in eine Informationsgesellschaft, in der Menschen, Maschinen und Daten in Echtzeit miteinander verbunden sind. |
| Digitale Selbstvermessung |
Bei der digitalen Selbstvermessung werden körperliche, psychische oder soziale Vorgänge in Daten zu übersetzen und zur Selbstbeobachtung genutzt. Das Dividuum gewinnt dadurch neue Einsichten und Steuerungsmöglichkeiten, passt sein Selbstbild jedoch zugleich an die Kategorien und Normwerte technischer Systeme an. |
| Digitaler Assistent |
Ein digitaler Assistent in Form einer KI unterstützt einen Menschen bei der Suche, Planung, Kommunikation und Ausführung von Aufgaben in allen Lebensbereichen. In Homo Dividuum wird er zu einer persönlichen Erweiterung des Denkens, die Handlungsmöglichkeiten vergrößert, zugleich aber Wahrnehmung und Entscheidungen vorstrukturieren kann. |
| Digitaler Nomade |
Ein digitaler Nomade nutzt Informationstechnologie, um ortsunabhängig zu arbeiten und zwischen wechselnden Lebensorten zu wechseln. In Homo Dividuum verkörpert er die Extremform des lokal beweglichen und global vernetzten Menschen, dessen Handlungsraum stärker durch digitale Zugänge als durch einen festen geografischen Ort bestimmt wird. |
| Digitaler Zwilling |
Ein digitaler Zwilling (Digital Twin) ist ein datenbasiertes Abbild einer Maschine, eines Objekts oder Systems, aber auch eines Menschen, das dessen Zustand spiegelt, simuliert und vorausberechenbar macht. Der digitale Zwilling wird zum Gegenstand der Beobachtung, Steuerung und Optimierung sowohl für SoloS, als auch für HoloH. |
| Digitalisierung |
Die Übersetzung von Welt in Daten und die Rückübersetzung dieser Daten in Entscheidungen, Prozesse und neue Wirklichkeiten. Digitalisierung bildet Wirklichkeit nicht nur ab, sondern ordnet sie neu. |
| Disziplinargesellschaft |
Eine Disziplinargesellschaft formt Menschen durch Institutionen, feste Regeln, Überwachung und Sanktionen zu gesellschaftlich erwartbarem Verhalten. In Schule, Unternehmen, Verwaltung, Militär oder Gefängnis werden Körper und Geist, sowie Lebensverläufe, nach den Anforderungen einer gesellschaftlichen Ordnung organisiert. |
| Diktatur |
Eine politische Ordnung, in der Macht stark konzentriert und gesellschaftliche Rückkopplung weitgehend unterdrückt wird. Pluralität, öffentliche Kontrolle und freie Aushandlung werden durch Befehl, Überwachung, Gleichschaltung und gegebenenfalls Gewalt ersetzt. |
| Disruption |
Eine Veränderung, die bestehende Technologien, Geschäftsmodelle oder gesellschaftliche Ordnungen nicht nur verbessert, sondern deren Funktionslogik grundlegend infrage stellt. Disruption erscheint als Bruch, entsteht jedoch meist aus Entwicklungen, die lange unterhalb der Wahrnehmungsschwelle herangereift sind. |
| Dividuum |
Das Selbst als Vielheit von Perspektiven und Beziehungen statt eines festen Ich. In Homo Dividuum bildet das Dividuum die zentrale Denkfigur für einen Menschen, der zugleich eigenständig, innerlich vielstimmig, sozial verbunden und technologisch erweitert ist. |
| Domestizierung |
In Homo Dividuum bezeichnet Domestizierung die Umwandlung des Wilden, Unvorhersehbaren und Eigenständigen in eine kontrollierbare Ordnung. Der Mensch domestiziert Tiere, Landschaften und Technologien, wird durch gesellschaftliche Regeln und Infrastrukturen jedoch zugleich selbst domestiziert. |
| Doomscrolling |
Doomscrolling bezeichnet das anhaltende Konsumieren überwiegend negativer und bedrohlicher Nachrichten in digitalen Medien. In Homo Dividuum entsteht daraus eine Rückkopplungsschleife, in der Angst die Suche nach weiteren Gefahren verstärkt und der Informationsstrom wiederum das bedrohliche Weltbild bestätigt. MoDoN entsteht unter anderem durch Doomscolling. |
| Drama-Dreieck |
In Homo Dividuum beschreibt das Drama-Dreieck ein Beziehungsmuster aus Opfer, Täter beziehungsweise Verfolger und Retter. Die Rollen können schnell wechseln und halten sich gegenseitig aufrecht, solange die Beteiligten ihre eigene Wirkmächtigkeit, Verantwortung und Bedürftigkeit nicht bewusst erkennen. |
| Dual Use |
Dual Use bezeichnet die Möglichkeit, dieselbe Technologie sowohl für förderliche als auch für schädliche Zwecke einzusetzen. In Homo Dividuum kann Informationstechnologie Menschen aufklären, verbinden und ermächtigen, zugleich aber auch überwachen, manipulieren und kontrollieren. |
| Dunkle Triade |
Die Verbindung der Persönlichkeitsmerkmale Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. Sie zeigt sich in übersteigerter Selbstbezogenheit, strategischer Manipulation, geringer Empathie und rücksichtslosem Machtstreben und kann besonders in konkurrenzorientierten oder instabilen Systemen gesellschaftlichen Einfluss gewinnen. |
| Dystopie |
Ein negatives Zukunftsbild, das gegenwärtige Entwicklungen bis zu ihren bedrohlichen Konsequenzen weiterdenkt. Es warnt vor möglichen Fehlentwicklungen, kann aber auch den Blick auf gestaltbare Alternativen verengen. |