| Ich |
In Homo Dividuum ist das Ich kein unveränderlicher Wesenskern, sondern ein fortlaufend erzeugtes Selbstmodell. Es verbindet wechselnde Wahrnehmungen, Erinnerungen und Rollen zu einer scheinbar kohärenten Geschichte, obwohl die Psyche von inneren Widersprüchen und äußeren Einflüssen durchzogen bleibt. |
| Idee |
Eine Idee ist eine gedankliche Verbindung, durch die etwas bislang Getrenntes in einen neuen Zusammenhang gebracht wird. In Homo Dividuum wird sie wirkmächtig, wenn sie von anderen aufgenommen, weiterentwickelt und in Sprache, Technik oder gelebte Praxis übersetzt wird. |
| Identität |
Identität als Geschichte, die man über sich selbst und seinen Mitmenschen über sich selbst erzählst.Identität im 21. Jh. wird als bewusste, multimediale Inszenierung verstanden. Das digital gespiegelte Selbst dient als kuratiertes Schaufenster. |
| Identitätsfreiheit |
Identitätsfreiheit ist die Möglichkeit, die eigene Identität zu erkunden, zu verändern und in unterschiedlichen Zusammenhängen verschieden auszudrücken. In Homo Dividuum folgt sie aus der Teilbarkeit und Beweglichkeit des Selbst, darf jedoch nicht in den Zwang zur permanenten Selbsterfindung umschlagen. |
| Ideologie |
Ein zusammenhängendes System von Vorstellungen und Werten, das gesellschaftliche Verhältnisse erklärt, bewertet und legitimiert. Ideologien geben Orientierung, können jedoch ihre eigenen Voraussetzungen und Machtinteressen als selbstverständlich oder alternativlos erscheinen lassen. |
| Imitation |
Imitation ist die bewusste oder unbewusste Nachahmung von Verhalten, Sprache oder Ausdrucksformen anderer. In Homo Dividuum bildet sie einen zentralen Übertragungsmechanismus, durch den Meme, soziale Rollen und kulturelle Muster weitergegeben werden. |
| Immersion |
Immersion ist das intensive Erleben, vollständig in eine künstliche, mediale oder erzählte Welt einzutauchen. In Homo Dividuum lässt sie die Grenze zwischen beobachtender Außenposition und erlebter Wirklichkeit verschwimmen und macht virtuelle Räume psychisch wirksam. |
| Imperium |
Ein Imperium ist ein großräumiges Machtgefüge, das unterschiedliche Gesellschaften, Ressourcen und Lebensbereiche einer übergeordneten Ordnung unterstellt. In Homo Dividuum kann ein Global Empire auch ohne ein einzelnes Zentrum entstehen, indem Märkte, Plattformen, Standards und Infrastrukturen weltweite Abhängigkeiten erzeugen. |
| Individuum |
Das in sich abgeschlossene Selbst, das "unteilbare, autonome Ich" ist eine Illusion, die sich in einer vernetzten Welt offenkundig zeigt. In Homo Dividuum bleibt das Individuum als rechtliche und moralische Zurechnungseinheit bedeutsam, wird als Beschreibung des tatsächlichen menschlichen Wesens jedoch durch das Dividuum erweitert. |
| Industrielle Revolution |
Die grundlegende Umgestaltung von Produktion und Gesellschaft durch den massenhaften Einsatz von Maschinen, Energie und arbeitsteiligen Verfahren. Sie löste menschliche und tierische Körperkraft zunehmend aus dem unmittelbaren Produktionsprozess heraus und überführte die Agrargesellschaft in eine technisch organisierte Industriegesellschaft. Damit veränderte sie nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Lebensräume, soziale Ordnungen und politische Machtverhältnisse. |
| Influencer |
Ein Influencer ist ein Akteur, der durch seine öffentliche Sichtbarkeit die Wahrnehmungen, Wünsche und Verhaltensweisen anderer beeinflusst. In Homo Dividuum fungiert er als Knotenpunkt der digitalen Öffentlichkeit, der Meme aufnimmt, personalisiert und durch die Bindung seiner Follower weiterverbreitet. |
| Information |
Ein Unterschied, der für einen Menschen oder ein System Bedeutung gewinnt und dadurch Wahrnehmung oder Handeln verändern kann. Daten werden erst zu Informationen, wenn sie in einen Zusammenhang eingeordnet und innerhalb eines Weltmodells gedeutet werden. |
| Informationsflut |
Informationsflut bezeichnet ein Angebot an Informationen, das die menschliche Aufmerksamkeit und Verarbeitungskapazität übersteigt. In Homo Dividuum führt sie nicht automatisch zu mehr Wissen, sondern erhöht die Abhängigkeit von Filtern, Algorithmen, Deutungsmustern und fremden Vorauswahlen. |
| Informationstechnologie (IT) |
Informationstechnologie umfasst technische Systeme zur Erfassung, Speicherung, Verarbeitung und Übertragung von Daten. In Homo Dividuum bildet sie das Nervensystem der vernetzten Gesellschaft und verbindet Menschen, Maschinen und Institutionen zu einer gemeinsamen sozio-technologischen Infrastruktur. |
| Informationszeitalter |
Die Epoche, in der Informationen und Daten zu zentralen Grundlagen von Wahrnehmung, Kommunikation, Wirtschaft und gesellschaftlicher Steuerung werden. Die Welt wird nicht mehr allein durch materielle Dinge geordnet, sondern zunehmend durch ihre digitalen Abbilder, Verknüpfungen und algorithmischen Auswertungen. |
| Infosphäre |
Der globale Lebensraum aus Daten, Zeichen, Bildern, Medien und Kommunikation, in dem Menschen und Maschinen Informationen erzeugen, verarbeiten und austauschen. Sie überlagert die physische Welt wie eine zweite Umwelt. |
| Innenwelt |
Die Innenwelt ist der subjektive Erlebnisraum aus Gedanken, Gefühlen, Erinnerungen und Körperempfindungen. In Homo Dividuum ist sie nicht vollständig abgeschlossen, sondern wird durch soziale Beziehungen, Meme und technische Medien fortlaufend mitgeformt, und wird auch Tieren und Künstlichen Intelligenzen zugesprochen. |
| Innerer Doppelgänger |
Die Stimme im Kopf, die die subjektiven Erlebnisse durch "stille" Selbstgespräch kommentiert und einordnet. In Homo Dividuum erzeugt der innere Doppelgänger durch fortlaufende Selbstkommentierung den Eindruck eines kohärenten Ichs innerhalb der vielstimmigen Psyche. |
| Innovation |
In Homo Dividuum ist Innovation nicht bloß eine neue Idee, sondern deren wirksame Verbindung mit bestehenden Technologien, Bedürfnissen und gesellschaftlichen Strukturen. Sie entsteht durch Rekombination und setzt sich durch, wenn das Neue anschlussfähig wird und eine veränderte Praxis hervorbringt. |
| Interface |
Ein Interface ist eine Schnittstelle, die Wahrnehmung, Kommunikation oder Handlung zwischen Menschen, Maschinen und Systemen vermittelt. In Homo Dividuum bildet es kein neutrales Fenster zur digitalen Welt, sondern strukturiert durch seine Gestaltung, was sichtbar wird und welche Handlungen möglich sind. |
| Internet |
Das Internet ist die weltweite technische Infrastruktur zur Verbindung von Computern, Menschen, Maschinen und Informationen. In Homo Dividuum bildet es das kommunikative Nervensystem der Infosphäre und erweitert den lokalen Menschen zu einem global handlungsfähigen Dividuum. |
| Internet der Dinge |
Das Internet der Dinge (Internet of Things (IoT)) verbindet physische Objekte über Sensoren, Software und Netzwerke miteinander. In Homo Dividuum werden Gegenstände dadurch zu wahrnehmenden, kommunizierenden und teilweise selbstständig handelnden Bestandteilen der technologischen Umwelt. |
| Internet of Everything |
Das Internet of Everything bezeichnet die Vernetzung von Menschen, Dingen, Daten, Prozessen und technischen Systemen zu einem umfassenden Wirkungsgefüge. In Homo Dividuum bildet es die infrastrukturelle Grundlage eines biologisch-elektronischen Menschheitsorganismus. |
| Intuition |
Ein unmittelbares Erkennen oder Urteilen, dessen Verarbeitungsschritte dem Bewusstsein nicht vollständig zugänglich sind. Intuition verdichtet Erfahrungen und unbewusst erkannte Muster zu einem Gefühl von Stimmigkeit, Warnung oder Richtung. |
| Irrtum |
Ein Irrtum ist eine unzutreffende Vorstellung, die von der betreffenden Person für wahr gehalten wird. In Homo Dividuum entsteht er, wenn Wahrnehmungen oder Informationen innerhalb eines Weltmodells falsch eingeordnet werden, und kann durch offene Rückkopplung erkannt und korrigiert werden. |
| Iterationsschleifen |
Iterationsschleifen sind wiederholte Abläufe aus Versuch, Rückmeldung und Anpassung. In Homo Dividuum bilden sie die Grundlage biologischen, psychischen und maschinellen Lernens, weil sich ein System schrittweise anhand der Folgen seiner vorherigen Handlungen verändert. |