Ein evolutionär-technologisches Menschenbild.

Menschwerdung und Menschsein kann nicht ohne Technologie gedacht werden. Unsere Entwicklung vom körperlich schutzlosen Säugetier zum gefährlichsten Raubtier auf der Erde, wäre ohne Technologie, im Sinne von Erfindergeist und Körpererweiterung, und Lernfähigkeit, im Sinne von Intelligenz, nicht möglich gewesen. In diesem Verständnis war es nicht unsere "Vernunft" allein, wie uns unser selbstgewählter Speziesname Homo sapiens vorgaukeln will, die uns vom nackten Überleben zum schöpferischen Gestalten gebracht hat.

Homo Dividuum beschreibt den Menschen weder primär als vernünftiges in sich abgeschlossenes Individuum noch als biologisch feststehendes Wesen, sondern als offenen Entwicklungsprozess aus Körper, Psyche, Beziehungen und Technologie. Dabei gehören sein Gestaltungswille, seine Wirkmächtigkeit und Schöpfungskraft sowie sein Machtanspruch und seine gefährliche Selbstüberschreitung ebenso zum Menschenbild von Homo Dividuum wie seine innere Widersprüchlichkeit einer psychische Instabilität.

Als "vernunftsbegabter Affe" haben wir eine anatomische Besonderheit zu allen anderen Affen- und Tierarten. Die "freie Hand", die es uns ermöglicht beliebige Werkzeuge in die Hand zu nehmen und in der Hand zu behalten. Auf diese Weise konnten wir unsere Überlebenschancen durch Anpassungsfähigkeit durch Erfindergeist enorm zu steigern.

Der Mensch wurde nicht zum Gestalter der Erde, weil er vernünftiger war als alle anderen Tiere. Er wurde es, weil er offen blieb: körperlich durch die freie Hand und psychisch durch seine innere Uneinheitlichkeit. Er kann Werkzeuge ergreifen, Welten erschaffen und Macht erringen. Doch keine seiner Errungenschaften verschafft ihm dauerhafte Sicherheit und Zufriedenheit. Homo Dividuum beschreibt nicht einfach nur einen geteilten Menschen. Das Dividuum in Homo Dividuum ist der in sich und in anderen verteilte, und damit verbundene, technologisch erweiterbare und niemals abgeschlossene Mensch.